Zum Inhalt springen
Eine Gruppe von Menschen, von denen einige weiße Blindenstöcke benutzen, geht einen mit Laub bedeckten Waldweg entlang.

Wandern mit (fast) allen Sinnen

Mitte September 2026 war es wieder soweit: Zum zweiten Mal fand eine gemeinsame, ereignisreiche Inklusionswanderung statt, die den Baumberger Wanderverein und den Blinden- und Sehbehindertenverein Münster und Umgebung zusammenführte. 16 wanderfreudige Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen sich am Münsteraner Hauptbahnhof, um gemeinsam mit dem Bus zum Stift Tilbeck zu reisen – dem Ausgangspunkt für ein ganz besonderes Naturerlebnis unter dem Motto „Wandern mit (fast) allen Sinnen“.

Bereits auf den ersten Metern abseits der Bushaltestelle wurde es kontrastreich: Bevor der Weg in die ruhige Natur führte, ging es entlang einer belebten Hauptstraße. Hier stand bewusst das Hör-Sinnesorgan im Fokus, indem die Geräusche des Straßenverkehrs intensiv wahrgenommen wurden. Im direkten Kontrast dazu öffnete sich kurz darauf der friedliche Wald der Baumberge.

Am historischen Mordkreuz legten die Wandernden einen kurzen Stopp ein. Die Geschichte dieses alten Flurkreuzes, die an das tragische Schicksal einer Meierschen (Bauersfrau) aus vergangenen Jahrhunderten erinnert, wurde lebendig vermittelt und verband Naturerlebnis mit regionaler Kulturgeschichte.

Entlang des Quellen- und Waldweges passierte die Gruppe die ausgetrocknete Tilbecker Bachquelle, bevor an einem Baumstamm der Gleichgewichtssinn auf die Probe gestellt wurde. Dank der hervorragenden und aufmerksamen Unterstützung der Begleitpersonen balancierten alle Teilnehmenden über den Baumstamm.

Ein leichter Anstieg forderte im Anschluss den Tiefensinn heraus, während an einer darauffolgenden Station der Geschmackssinn auf spielerische Weise getestet wurde – mit salzigen Crackern, bitterer Schokolade, sauren Apfelstücken und selbstgebackenen Müsliriegeln als süßer Stärkung. Auch der Tastsinn kam nicht zu kurz: An einer Eiche und einer Buche konnten die unterschiedlichen Rindenstrukturen direkt ertastet und verglichen werden (raue Borke bei der Eiche, glatte Rinde bei der Buche).

Ein absolutes Highlight vor der Rückkehr zum Stiftsgelände war der Stopp an den Hexenquellen (auch bekannt als „Hexenpütt“ oder „Sieben Quellen“), einem faszinierenden und sagenumwobenen Naturdenkmal. Hier tritt das Wasser an mehreren Stellen direkt aus einer anstehenden Kalksteinwand aus. Die Besonderheit der Baumberge, die wie ein riesiger Schwamm wirken – Regenwasser versickert im kalkhaltigen Sandstein, stößt tiefer im Boden auf eine wasserundurchlässige Tonschicht und tritt an den Hängen als Springquelle wieder an die Oberfläche.

Zurück auf dem Gelände des Stiftes Tilbeck lud der dortige Barfußpfad zu weiteren Sinnenreizen ein. Fühl- und Balancierstationen sowie ein erholsames Fußbad im Wassertretbecken sorgten für puren Genuss und Erfrischung.

Nach so vielen Eindrücken stand den Wandernden der Sinn nach Kaffee und Süßem. Im Café im Stift Tilbeck fand der Tag bei angeregten Gesprächen und einem gemeinsamen Rückblick auf die vergangenen Stunden einen wunderbaren Ausklang, ehe es nach der Rückkehr zum Münsteraner Hauptbahnhof Abschied nehmen hieß.

Es war wieder eine spannende und intensive Wanderung, die vielen neue Sichtweisen mitgegeben und sehr viel Spaß gemacht hat. Die Begleitpersonen lernten, auf die Bedürfnisse von Menschen mit Sehbehinderung einzugehen und konnten definitiv ihre eigenen Erfahrungen erweitern.

Blinden- und Sehbehindertenverein Münster und Umgebung
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir Ihnen die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in Ihrem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von Ihnen, wenn Sie auf unsere Website zurückkehren, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für Sie am interessantesten und nützlichsten sind.